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gendertrouble

Sonntag, 12. April 2009

von der haltbarkeit 'des bösen': robert bly, "der eisenhans"

währe ich blog-journalist_in, würde jetzt eine ausführliche analyse und kritik von robert blys eisenhans und der mythopoetischen männerbewegung folgen, damit ich 'dem bösen' in form von der haltbarkeit zweifelhafter genderdiskure etwas entgegensetzte.
da ich meine 'reichweite' hier allerdings nicht sehr groß einschätze und es heute einfach müde bin, gegen die backlash-windmühlen anzuschreiben, wird das hier nur eine randbemerkung, vor allem wenn diese mühle nun nicht wirklich in meinem umfeld aufgetaucht ist...
ich bin beim lesen von luisa francias blog über eine 'eisenhans'-anmerkung gestolpert, die sie von matthias bekommen und im blog erwähnt hat, und komme da jetzt deswegen überhaupt drauf.
ich weiss es nicht, aber vermute, dass diesem matthias das blog zuzuordnen ist, auf das luisa ein paar eintragungen später aufmerksam gemacht hat.
das ist alles garnicht ausführlich, aber der blysche eisenhans und sein initationsblabla tauchen halt immer irgendwie auf, aber an dieser meiner stelle wenigstens als 'böse' gelabelt und nicht gänzlich unkommentiert.

mein lesetipp dagegen: Der gemachte Mann: Konstruktion und Krise von Männlichkeiten
Von Robert W. Connell, Ursula Müller, Christian Stahl

Montag, 12. Januar 2009

"Gay Scientists Isolate Christian Gene"

Montag, 29. Dezember 2008

feminismus für anfängerinnen teil 1 (klappe die 95zigste)

solange in der gesellschaft eine ungleichheit von menschen durch geschlecht hergestellt wird und herrscht, eine auf- und abwertung durch vergeschlechtlichung stattfindet, hat es nicht die gleiche bedeutung und den gleichen effekt (für eine emanzipation) wenn verschiedene geschlechter das gleiche tun.

argumente, wie 'die frauen' machen das doch auch (für die emanzipation), also ist es doch auch 'gut' wenn 'die männer' das gleiche tun, machen daher wenig sinn, denn sie suggerieren fälschlicherweise nicht nur dass es eine 'gleiche' ausgangslage gibt, sondern lassen unberücksichtigt, dass sich aus der unterschiedlichen lage im geschlechtersystem unterschiedliche 'emazipationsaufgaben' ergeben.

nehmen wir z.b heldengeschichten, da wäre die ausgangslage, dass männer eher als protagonisten auftauchen (im alleingang, bzw vermeintlichen alleingang, weil z.b. 'hilfe' nicht oder sehr bedingt als eigenständiges wirken andere figuren auftaucht, sondern eher auch 'beim helden landet' weil es z.b. selbstverständlich ist 'ihm zu zuarbeiten'), während frauen garnicht oder aber nur als randfiguren auftauchen, die dann auch noch ein bestimmtes weiblich eingeschränktes rollenrepertoire haben, (die aus liebe unterstützende, die eifersüchtige, indirekte, bösartige, intrigante hinterspielerin, das objekt und 'der passive spielball' der geschichte', während männliche randfiguren durchaus 'entscheidend' z.b. als mentor oder partner/verbündeter auftauchen 'dürfen').

während es bei so einer ausgangslage emanzipatorisch gesehen sinn macht z.b nach heldinnen zu suchen und frauenfiguren in den mittelpunkt zu rücken (und männern andere rollen zu geben oder sie mal raus zu lassen), währe die emanzipatorische aufgabe auf seite der männlichen figuren eben nicht 'die gleiche' (auch nicht einfach eine vermeintlich umgekehrte), sondern evtl. eher die kooperation und das teamwork des helden auch mit frauen herauszuarbeiten, als auch im besonderen die 'randfiguren' aus ihren angestammten rollen zu entlassen: es darf ja auch mal eine mentorin sein, oder für die liebe/freundschaft eines mannes gekämpft werden, bzw müssen auch männer 'mal' gerettet werden.

man sollte nicht aus dem blick verlieren, dass die held_innen-geschichte für sich schon ein 'männlicher' topos ist.
die zentrale figur wächst mit mehr oder meist weniger hilfe, aber in der entscheidenden situation allein über sich hinaus, kämpft sich durch und rettet die welt, um dabei auf jeden fall zu siegen.

ein immer siegreicher einzelkämpfer (welchen geschlechts auch immer, wenn auch meist männlich),
weswegen eine emanzipatorischen 'umschreibung' nach dem motto 'das gleiche bloss umgekehrt' garnicht so einfach funktioniert.
dann wäre nämlich eine männliche figur eben nicht der held sondern eine der randfiguren und das ganze würde ein anderes genre werden müssen, weswegen auch das stärken von teamarbeit und kooperation innerhalb einer held_innengeschichte grenzen hat (mir ging es dabei eher darum, dass die hilfe, zuarbeit und kooperation in ihrer unterschiedlichen wichtigkeit für die geschichte je nach geschlecht nicht so stereotyp daherkommt).

dabei wäre vielleicht auch zu bedenken, dass, so wichtig held_innen geschichten als vorbilder für menschen aller möglichen und unmöglichen geschlechter auch sind, dass sie eben nur bestimmte erfahrungen, lösungstrategien und perspektiven eröffnen. ich weiss nicht ob männer in dieser gesellschaft unbedingt vorrangig geschichtlich- einzelkämpfer-schulung brauchen, ich glaube da gibt es, im gegensatz zu z.b frauen und anderen marginalisierten geschlechtern, eher an anderen stellen 'nachholbedarf' an vorbildgeschichten.

hinzu kommt auch, dass es viel eher eine emanzipationsaufgabe für junx ist, wenn sie, anstatt vorrangig versuchen alte oder neue, bessere, männliche helden zu suchen, (gegen, oder in analogie der feministischen umschreibungen) auch selbstverständlich aus heldinnen- und überhaupt 'frauen'geschichten etwas über sich lernen und darin vorbilder finden, als auch in anderen geschichtsgefilden zu forschen, die nicht von vornherein einem 'männlichem' oder typisch 'männlichem' topos entsprechen.

suchst 'du' dennoch helden? männer, die allen widrigkeiten zum trotz ihren weg gehen? meist im alleingang? und dabei über sich hinaus gehen und die welt verändern? evtl. sogar (im kleinen) retten?
lies schwule coming out geschichten, da findest 'du' evtl. die 'neuen' helden.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

XXY

XXY

Alex (Inés Efron) ist eine 15-jährige Intersexuelle. Sie hat männliche und weibliche Genitalien, lebte aber bisher als Mädchen, was durch hormonelle Medikamenteinnahme möglich war. Damit hat sie nun jedoch aufgehört, was früher oder später zur Vermännlichung ihres Äußeren führen wird.

so beginnt wiki die zusammenfassung!
mal wieder ein guter film, auch wenn es schon ein drama ist und deswegen keine leichte kost.

Samstag, 22. November 2008

remembering Venus Xtravaganza am TDoR 2008



dies ist eine filmszene aus 'paris is burning', einer dokumentation (1990) über new yorks 'ball culture' in den 80ern, welche die meist armen afro amerikanischen oder latina queers und transgenders als protagonist_innen der 'drag balls' zeigt.
Venus Xtravaganza ist noch während der fertigstellung der dokumentation ermordet worden, wovon Anji Xtravaganza in dieser filmsequenz berichtet.

ich gedenke heute Venus Xtravaganza, weil sie eine der bekannteren opfer von trans*phobie ist; bekannt, dokumentiert und festgehalten im film und doch für die meisten ein unbeschriebenes blatt.

ich weiss auch überhaupt von ihr, weil ich in einem seminar an der uni die dokumentation gesehen hatte, und trotzdem hatte ich die namen derer, die portraitiert wurden, vor all dem vogueing und den drag-performances, die sie gegeben haben, zunächst vergessen.

vergessen.
nicht vergessen.
erinnert.
erzählt.
einen namen,
eine person,
eine lebensgeschichte.

"remembering the past - not repeating it"

20. november: internationaler transgender day of remembrance.

heute, 2 tage nach dem internationalen termin des 'tdor' wurde erstmalig in berlin zu einer gedenk demo aufgerufen.


es macht zwar wenig sinn nach der demo zur selbigen aufzurufen, ich habe auch nicht vor einen ausführlichen bericht oder artikel über die demo oder den anlass zu schreiben, aber grad wo ich dabei bin mich wieder aufzuwärmen, denn es war lang und kalt und es wurde eine_r nicht wärmer ums herz, als die lange liste der namentlich bekannten ermordeten trans*menschen verlesen wurde, will ich dennoch wenigestens diese minimal erinnerungsarbeit tun.


Dies ist keine Fun-Parade!

Dieser Tag ist zum einen ein Gedenktag an die Opfer trans*phober Gewaltverbrechen und Morde und zum anderen ein Ort, an dem wir gemeinsam verstorbener trans*gender und ihrer Arbeit -gegen das Vergessen einer kampfreichen Geschichte- gedenken und feiern wollen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, etwas politisch gegen Repression durch Staat, Kirche, Recht… und Diskriminierung von trans*gendern und queeren Lebensweisen zu erreichen.

Wir demonstrieren mit Wut gegen ein Gesellschaftssystem, in der prinzipiell nur Männer und Frauen wahrgenommen und alle anderen Geschlechtlichkeiten unsichtbar gemacht werden. Menschen, die nicht den gängigen Geschlechtervorstellungen entsprechen, werden tagtäglich diskriminiert und angegriffen. Transphobe Gewalt kann jede_n treffen - die Angreifer_innen fragen nicht danach, wo du dich im Geschlechtersystem selbst einordnest.

Wir demonstrieren für ein besseres, freieres Leben, in einer Gesellschaft, in der alle so leben dürfen, wie sie es wünschen -ob Trans*, weder*noch, Crossdresser_innen, Transvestit_innen, Transsexuelle,Transidentische, Intersexuelle, Transen, Tunten, Zwitter, Dragkings und Transgender, ob mit OP(s) oder ohne, hetero oder homo, oder sonstwie,mit einem, zwei oder mehrern Partner_innen, mit Kindern oder ohne…

Der TDoR findet seit 1999 im November statt, um Rita Hester zu ehren,deren Ermordung durch zahlreiche Messerstiche am 28. November 1998 der Anstoß war für das Web Projekt “Remembering Our Dead” (an unsere Toten erinnernd).
Die Ermordung Rita Hesters ist - wie die meisten Morde an Transgendern - bis heute noch nicht aufgeklärt.


ein paar infos gibt es auch hier:
http://www.myspace.com/tdor
http://tdor.wordpress.com/

Samstag, 27. September 2008

DJereien in der provinz

ich bin bei einer lieben freundin, die gestern ihren geburtstag gefeiert hat. ich bin zurück in der provinz... von wo ich vor naja.. 6-7 jahren, oder so, 'geflüchtet' bin. meine liebe freundin hat mit einer freundin zusammengefeiert, die ich auch noch von füher kenne und ein dritter typ hat sich noch an die party mit 'rangehängt'... so wurde es formuliert. also: er ist eher bekannt als befreundet mit den beiden, und sein freundeskreis schon 'anders drauf'.
der ort war ein partyraum, eines 'jugendzenzentrums'!!! nagut dafür sogar ganz ansehnlich, aber es gab da eben, wie das bei so orten ist, bestimmte bedingungen, und dazu gehörte unter anderem, dass bei den absprachen ein gewisses 'tara' um die musiktechnik gemacht wurde, die groß angepriesen wurde, weil sowohl ein computer mit bereits grosser musiksammlung vorhanden sei, als auch via wechselfestplatten bzw sticks weiter ausgebaut werden konnte. dazu ein mischpult und 2 DJ-CDplayer zum auflegen.
es musste also eine DJ-technik-verantwortliche gefunden werden, wenn nicht der 'hausDJ' die technik verwalten sollte, bei dem dann wünsche eingereicht werden hätte können sollen ... oder so ähnlich.
um sich das ein bisschen vorzustellen.
weil der ort für jugendliche ist, musste eh schon eine der jüngeren gefunden werden (unter 27), um den vertrag zu machen. die geburtstage waren aber die 30en und 33en...
und dann ein, keine ahnung, ein jugendlicher der halb so alt ist und da 'alteleute'-musik-wünsche erfüllen soll? klingt absurd...
die geplante DJ wollte und konnte die verantwortung nicht übernehmen, weil sie 'eben nur mal für ne stunde ein bisschen auflegen wollte', und so habe ich mich zur verfügung gestellt.
ich sollte also auch auflegen, die anderen, die noch zeitweise musik auflegen sollten, in die technik einweisen, auf die technik entsprechend aufpassen...

das DJ pult war typisch jugendhaus, ein gross inszeniertes dj kämmerchen, hinter glas abgeschnitten von den feiernden, ein bisschen erhöht zum 'bewundert werden', die technik grauslich, ich habe schon mit einigen sehr billigen mischpulten aufgelegt, aber das hat es noch getoppt, das heisst: in die okayen mix-cdplayer (naja, sie haben oft bei gebrannten CDs rumgezickt... wenn sie neuer waren, die alten gingen besser, auch mal interessant, diese variante)... man konnte also in die player beim mixen nicht richtig bzw einfach mit kopfhörer reinhören es gab aber auch keine monitorboxen in der kammer... allgemeine lautstärkeregelung war also eh kaum möglich. musik über PC klang grauenhaft und hat auch nicht wie angekündigt funktioniert da einfach ne playliste zu machen und die durchlaufen zu lassen, aber auf grund der ansage haben viele eben weniger CDs angeschleppt sondern eher kleine datenträger.... es war also ein wildes rumimprovisiere, eher punkrock D.I.Y. style, obwohl es eben 'grosses diven djpult' inszenierung war...
das war aber nur das kleine problem, das grössere war bei dem punkt musik der typ und seine gäste.
er wollte auch auflegen, was ja als partymitbetreiber gut verständlich war. bei den absprachen sagte er etwas von ein bis eineinhalb stunden. klar, dass er so zu der hauptpartyzeit auflegen wollte, was auch erstmal so für alle ok war. das hat sich etwas verzögert, aber so grob haben wir das gemacht wie wir uns geeinigt hatten.... naja bis auf er, der dann platzhirsch gespielt hat, defakto: als ich gegen ende seiner 1 1/2 stunden mal so anfragte, meinte er einfach, er müsse und wollte jetzt mindestens noch ne stunde auflegen, und da könne ich jetzt auch nichts machen. ein paar seiner jungs haben eh schon den raum belegt und mal wichtig an ein paar reglern rumgedreht, es kam von denen auch schnell so fragen 'wer ich überhaupt sei'... billige dominanz halt.
sobald es technische probleme gab sollte ich aber selbstverständlich brav unterstützung geben. auch klar, dass der typ den erklärungen der anderen ladys keine beachtung geschenkt hat, also sie einfach überhört hat, obwohl sie es ja hinbekommen hatten mit dem widrigen kram aufzulegen, und ich ihm auch nur das gleiche nochmal sagte.
es gab da also macht und durchsetzungs gerangel.
die krönung waren in dem zusammenhang dann aber auch noch ein paar seiner gäste, die, nachdem er 'fertig' war und wieder andere musik gespielt wurde, alle 5 minuten ankamen und wieder seine musik hören wollten. (ja es gab auch bei den musikrichtungen grosse geschmacksdifferenzen in der heterogenen gruppe, weswegen ich dann am ende 'meine auflegerestzeit' auch noch an eine der ladys abgetreten hatte, weil sie recht 'kompatibel' mit dem geschmack eines grossen teils der gäste war)
wäre ja nicht so schlimm, dass 'seine gäste' nochmal nach 'seiner musik' gefragt hätten, wenn sie nicht grade lange gelaufen wäre, wenn man von der penetranz mal abgesehen hätte, wenn der eine gast nicht in die homophobe kiste gegriffen hätte und auch drohungen formuliert hat, um einen musikstilwechsel zu erreichen, undsoweiter..... klingt nach jugendhaus mit 'erwachsenen', klingt nach provinz... oder eben nach dem ganz normalen rumgemackere.
mein eindruck war ansonsten, dass, abgesehen von dem unmut einiger, sich die leute recht gut 'vertragen' haben, und ihren spass hatten, zumdest sehr entspannt wirkten. dies krampfige und zum teil echt fiese in und ums djkämmerchen ist, soweit ich das beurteilen kann, nicht genauso 'draussen' passierte, und ich hab mir, obwohl ich zeitlich viel damit zugange war, davon aber auch nicht den abend bestimmen lassen, sondern mich an dem treffen der vielen alten freunde und bekannten erfreuen können.
rumgemackere ist kein problem nur von der provinz, eh klar. leider. dennoch sind ein paar konstellationen schon auch recht äh... typisch: eher zusammengeschmissen in der kleinen stadt als dass man sich in der vielschichtigkeit einer metropole aus dem weg geht. ich bin grade gerne zu besuch, aber auch froh, dass es nur zu besucht ist.

Sonntag, 29. Juni 2008

transgenial

erst wollte ich nicht gehen.... die nacht musste ich arbeiten, und das regenwetter machte es auch nicht besser. der konflikt um bullen innerhalb linker bzw 'alternativen' queerer räumen, der sich durch 'die szene' zieht, wirkte eher auch wie dunkle wolken, anstatt dass es mich reizte mich da zu positionieren.... ich haderte also mit mir rum.
irgendwann, als der zeitpunkt zu gehen immer näher rückte und ich mich entscheiden musste, war mir klar, dass ich 'unaufgefummelt' nicht gehen wollte.
das war mir zu 'langweilig' wenn man es banal ausdrück, obwohl das gefühl eher um sichtbarkeit von selbstbestimmung oder sowas ging. es gab schon eine ahnung eines inneren bildes, das ich auf und durch die strassen bringen wollte.... aber bis ich mich dann doch durchgerungen hatte, war die zeit sehr knapp, so dass ich mich in schnellen 30min in den 'geist' verwandelte der da als bild lauerte.
die projektion der 'verkleidung' und des 'spektakels' aufnehmend hab ich also überinszeniert und aufgefummelt, aber keine schönheit: bleich ein bisschen geisterhaft eben.
so fühlte ich mich 'wohl', so fühlte ich mich verbunden, mit den symbolen und energien und themen die in mir rumschwirrten - grad könnte ich sie nichtmal genau benennen - und knüpfte sie in und mit mir zusammen, dass etwas davon sichtbar werden konnte.
dass ich deswegen in 12cm hohen holz-getas von neukölln nach kreuzberg demonstrierte klappte besser als gedacht.

die demo war dann unspektakulär, ein bisschen langweilig fast, aber irgendwie auch nett und gut... als würden die unsichtbaren nachbarn plötzlich mit salz und brot ungefragt vor sämtlichen türen stehen, bestimmt und freundlich ihre anwesenheit zeigen und zum feiern einladen, ohne einen zweifel zu hinterlassen, dass 'unfreundlichkeiten' nicht akzeptabel sind und im zweifelsfalle auch die eine und andere suppe versalzen würde; es ging um unser rezept, und nicht nur für uns, sondern auch grundsätzlicher gegen das vergessen und ausschliessen von zutaten für ein gutes leben.
der regenschauer wäre zwar nicht nötig gewesen, aber war auch kein drama... heizte die stimmung allerdings auch nicht extra an.
auf dem heinrichplatz war dann eher so homokiezfest, was auch irgendwie spass gemacht hat, wenn es auch knapp nur die energien für die abendliche umsonstparty in der köpi zurückgelassen hat. grad bin ich ganz zufrieden.

Mittwoch, 11. Juni 2008

reclaim the night

www.umbruch-bildarchiv.de
Erfreulich viele Menschen beteiligten sich am Mo, den 9. Juni 2008 an einer spontanen Solidaritäts-Demonstration durch Kreuzberg. Anlaß war ein brutaler homophober Überfall am Wochenende, bei dem mehrere Gäste eines Dragfestivals vor dem SO 36 verletzt worden waren. Über 1000 Menschen starteten gegen 19.45 Uhr am Mariannenplatz. Der Demozug, der unterwegs deutlich anstieg (Schätzungen sprechen von bis zu 3000 TeilnehmerInnen) endete auf dem Heinrichplatz mit Musik und Redebeiträgen in deutsch, türkisch und hebräisch.
Fotos unter:
http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/090608queer_solidemo.html

http://de.indymedia.org/2008/06/219594.shtml

Freitag, 2. Mai 2008

the hidden cameras, 1. mai edition

ich kannte the hidden cameras kaum. ich hatte rezensionen gelesen in denen sie irgendwie als 'queerer kirchen gospel folk' bezeichnet wurden. ich kannte ein oder zwei songs, meist aus schwulen filmen. ich hab ermässigte karten bekommen, und bin halt mal einfach so mitgegangen, und somit walpurgis und den 1.mai hinter mir lassend, der von testosteron und verlorenen politischen kämpfen gezeichnet ist, und meine resignationen auf politischen als auch 'inneren' ebenen füttert.
ich fand mich also bei the hidden cameras wieder, obwohl ich 'the-bands' grundlegend eher verschmähe
...und tauchte ein...
in eine ritual mit ganz eigner qualität:
die bühne füllte sich mit einem haufen menschen, die sich um den sänger gruppierten, der das konzert mit seiner typischen stimme eröffnete. ich kannte die hidden cameras kaum, aber leicht wiederzuerkennen sind sie schon.
so viele leute auf der bühne, das hatte ich nicht gewust: ein streichquartet,
bass, schlagzeug gesang/gitarre, noch eine gitarre,
dann standen da mindestens 3 keyborads, oder noch mehr, und drei menschen die diese orgeln und das glockenspiel und irgendwie noch mehr tasten bedienten,
eine trompete gab es...
und dann tauchte noch der kirchenchor auf mit 13 sängerinnen.
das ganze hatte den charme einer.... naja, mitmach-'jugendkultur'-kirche, eine schulaufführeung evtl., aber die kirchenassoziation war durch die rezensionen und die musik viel stärker.
nur was für eine kirche war das? welcher messe würde ich jetzt beiwohnen? der chor war ein toten-zombie-chor mit schwarzen kaputzen und geschminkten totengesichtern, griechische tragödie? die musikerinnen vollzogen seltsame rituale, duckten hinter ihren keyboards ab, um dann in einfachen choreographien wieder aufzutauchen, plätze und instrumente wurden getauscht, chorsängerinnen wurden zu gitarristen, und in dem ganzen sang der sänger sein latein, erzählte, lockte, rief seine liturgischen kommandos...
(ich muss dazu sagen, dass in der art wie er singt, kaum ein wort vertändlich ist, sehr langgezogene vokale, das klingt fein, aber ohne die texte zu kennen, konnte ich nur hereinahnen, wie sich diese kirchen-gospel-performance an den queeren inhalten bricht, obwohl sich das durchaus auch andeutete, hatte ich das karl marx kleid erwähnt)
... der erste hälfte konnten man als durchaus energetischen ritual beiwohnen, das sich aber (noch) nicht erschlossen hat: noch war es etwas abgehoben, zwischen sakral und zahm, vielleicht sprang der funken nicht über oder wurde zurückgehalten.
als dann aber der chor die musikerinnen - die leitfiguren - übermannte, und von der bühne trug und sich die instrumente vollends aneignete und das spiel improvisierend demokratisierte, nur entsprechend rauher, dissonanter, lauter... kam ein neues kapitel in der liturgie:
tod und wiedergeburt?
denn als sich das chaos auf der bühne legte, hörte man das glockenspiel, wie es durch die zuschauerinnen eine zeremonielle parade anführte, und die, nun bandagierten und ledierten, musikerinnen, geläutert oder als mit-zombies, auf die bühne zurückführte.
entsprechend wurde im zweiten teil das publikum einbezogen und gefordert, gogotänzer_innen animierten in hasskappen und knapp bekleidet zum tanzen, der chor wurde auf den händen durch den raum 'schweben lassen', nach dem motto der keyborderin "wir sind tot, ihr seid hot' sollte... nein, wurde getanzt, einzelne liedern wie 'ban marriage' wurden einleitend kommentiert (mit gay-ehen als hintergrund: 'wer würde schon seine regierung heiraten? 'ban all marriages' .. wie passend), auch ein 'macht kapputt, was euch kaputt macht' tauchte in der zugabe auf, natürlich nicht ohne von den hasskappen-gogos ironisch gebrochen zu sein.
all das verwob sich zu einem sehr schönen konzert, dass aber die messe nicht so ganz hinter sich liess. es changierte zwischen 'echtem ritus' und augenzwinkernden anspielungen, ebenso wie es zwischen politisiertem raum (mit den 1.mai bezügen) und der unterhaltungsveranstaltung changierte, ohne irgendwie platt in das eine oder andere abzugleiten...
für mich, an dem tag, genau das 'heilende queerblock ritual, das ich brauchte, das die touristischestrassenkampfherrentagsidylle die wir dann durchqueren mussten einfach an mir abperlen liess.

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